NAAF

NAAF logo

The Nobel Aid Africa Foundation (abbr. NAAF) is non-profit organization that is dedicated to foster access to education in Ghana. Since the greatest barrier for school attendance is most often material poverty, NAAF awards scholarships for school children, that cover half of the school fees, as well as half the cost for learning materials. Moreover, as many girls cannot afford sanitary pads during their menstruation, and have to stay at home during their period due to the lack of such remedies, NAAF provides sanitary pads for free for more than 500 girls every month. For children from especially poor backgrounds one furthermore organizes clothing. Ein Bunter Bund mit Ghana e.V. appreciates NAAF for its important contribution to the educational sector in Ghana and has great interest to cooperate with NAAF on the grounds of its four partner schools.

Edmond Tibah (hinten in der Mitte) und sein Team

Mittlerweile hat sich unsere Kooperation verfestigt und wir unterstützen die NAAF tatkräftig. Seit dem 28.05.2021 – dem internationalen Tag der Menstruation haben beide Teams, der NAAF und der Bunte Bund eine langfristige Kampagne gestartet, mit der wir gemeinsam gegen die Tabuisierung und Stigmatisierung von Menstruation in Ghana aktivvorgehen wollen. Der NAAF wird vermehrt Seminare im ganzen Land abhalten und die Mädchen und jungen Frauen über Menstruation, was im eigenen Körper geschieht, aber auch über Sex aufklären. Wie immer bekommen alle Teilnehmerinnen gratis Binden im Anschluss des Seminares.

Ende 2019 trat der aus Ghana stammende Edmond Tibah, Leiter der Organisation “Noble Aid Africa Foundation” NAAF an uns heran, um seine Mission, Aufklärung über Menstruationshygiene und Sexualkunde in Schulen zu etablieren, mit uns zu teilen. Seither haben wir uns intensiver in das Thema eingearbeitet.

Das Ergebnis: Die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Hygieneprodukten in Ghana sind ungenügend. Die Möglichkeiten zur Anschaffung der benötigten Artikel reichen aus finanziellen oder (infra-) strukturellen Gründen nicht aus, so dass es vielen Schülerinnen während ihrer Periode nicht möglich ist, am Unterricht, beziehungsweise am alltäglichen, gesellschaftlichen Leben, teilzunehmen. Dies ist ein Zustand, den wir als Verein nicht akzeptieren wollen. 

An unseren Partnerschulen wünschen wir uns eine möglichst sorgenfreie Lernatmosphäre für alle Schüler*innen. Dazu gehört unweigerlich, dass Mädchen den ganzen Monat über am Unterricht teilnehmen können und nicht aufgrund rein natürlicher, körperlicher Funktionen, Schulausfällen ausgeliefert sind, die ganz leicht vermieden werden können.

Eine Binde in Ghana kostet umgerechnet 70 Cent – das klingt erstmal wenig, ist aber auf den Monat hochgerechnet für viele Familien in Ghana eine Summe, die sie sich nicht leisten können. Kaum vorstellbar, aber aus diesem Grund verpassen viele Mädchen und junge Frauen den Unterricht oder können an diesen Tagen nicht ihrem gewohnten Alltag nachgehen. 

Als Ersatz für Binden, wie wir sie kennen, werden Lappen oder Stoffreste genutzt, die natürlich nicht lange “dicht” halten. Sehr unangenehme und stigmatisierende Situationen sind die Folge für zahllose Mädchen und Frauen in Ghana.

Tampons sind nicht nur nicht bezahlbar (und quasi nirgendwo zu finden, da sie – wenn überhaupt – nur in großen Kaufhäusern oder Apotheken gehandelt werden), um sie nutzen zu können, müssten die äußeren Bedingungen für Hygiene gegeben sein. Zudem sind sie auch aus traditionellen oder religiösen Gründen eher umstritten.

 

 

Das Thema Menstruation ist in Ghana stark tabuisiert und schambehaftet. Körperliche Vorgänge und Ursachen für die monatliche Blutung sind oft nicht bekannt. Die Frauen gelten als unrein, während sie ihre Periode haben und werden in ländlichen Regionen sogar vom alltäglichen Leben ausgeschlossen, bis sie wieder “sauber” sind. Neben dem Aussetzen des Schulbesuchs kann es in manchen Gegenden in Ghana allgemeiner Konsens sein, dass Frauen sich nicht in der Nähe von Männern aufhalten, mit ihnen essen oder ihre Mahlzeiten zubereiten dürfen. Umso schlimmer, wenn dann das Blut auch noch sichtbar wird. Während dies für uns eine- wenn auch peinliche- Geschichte zu erzählen ist, über die wir später lachen können, kann die Folge in Ghana der Abbruch eines Seminarbesuchs sein oder eine massive Ehekrise.

Wirkliche Aufklärung über die körperlichen Ursachen bzw. den natürlichen Verlauf des weiblichen Zyklus wird weder Zuhause noch in den Schulen tatsächlich betrieben.

Die Wasserleitungen in Ghana sind schwach, die Kläranlagen sind den nötigen Mengen nicht gewachsen, so dass auch in der Wasseraufbereitung und -versorgung häufiger mit Ausfällen zu rechnen ist. Darüber hinaus ist die Qualität des Wassers ebenfalls nicht hinreichend gewährleistet. Bei Versorgungsausfällen dienen vielen Familien Brunnen in ihrem Viertel zur Wasserbeschaffung. Manchen Familien stehen große Wassertanks, die Wasser für Notfälle bereithalten, zur Verfügung. 

Unter diesen Bedingungen kann kein zuverlässiger hygienischer Standard sichergestellt werden, den die Reinigung von wiederverwendbaren Stoffbinden voraussetzt. Auch wenn wir mit dieser Kampagne für Nachhaltigkeit und wiederverwertbare Hygieneartikel werben, ist dies in Ghana aus den oben genannten Gründen nicht möglich. Es ist derzeit  undenkbar, die Menschen zu dieser Form der Nachhaltigkeit zu bewegen – das Wasser wird für wichtigere Dinge gebraucht. 

Mit unserer Kampagne wollen wir zuvorderst dafür sorgen, dass die Mädchen und jungen Frauen mit (Einweg-) Hygieneprodukten versorgt werden, um ungehindert am Schulunterricht teilnehmen zu können.

Die grundsätzliche Idee unserer Kampagne ist, den derzeit in Deutschland aufkommenden Trend zur nachhaltigen Stoffbinde (wasch- und wiederverwendbar) mit dem Projekt unseres Kooperationspartners NAAF  aus Ghana zu verbinden und den Schülerinnen unsere geförderten Schulen in Ghana so den Zugang zu einem monatlichen Kontingent an Periodenartikeln zu ermöglichen.

Straßenmädchen, die von der Organisation “Sila Foundation” unterstützt werden, mit der auch eine Vereins-Kooperation besteht, nähen aus ghanaischen Stoffen auf alten, fußbetriebenen mechanischen Nähmaschinen wiederverwendbaren Binden. Sie sind keine professionellen Schneiderinnen, haben sich aber die Fähigkeiten des Nähens angeeignet und können sich so ein Auskommen generieren. 

Ein Bunter Bund mit Ghana e.V. übernimmt die Kosten für die Materialien und die Arbeitsleistung der Frauen.

Die fertig erstellten Stoffbinden werden von Ghana aus auf Kosten des Vereins nach Deutschland geschickt. Dort werden sie an interessierte Frauen und Mädchen verkauft. Wir möchten damit zur wachsenden Bewegung zu einem nachhaltigen Konsumverhalten und dem Bewusstsein für Ressourcenschonung und -erhaltung beitragen.  

Die vorhandene Infrastruktur in Deutschland, fließendes Wasser, regelmäßige Stromversorgung und geregelte Einkommen oder das “Aufgefangen werden” vom Sozialstaat lassen sich mit dem Wunsch, nachhaltig und “plastik- und chemiefrei” zu leben, verbinden. Wir in Deutschland können es uns leisten, wiederverwertbare Artikel zu nutzen. Dieser Luxus ist in Ghana aus den bereits beschriebenen Gründen nicht möglich. 

Der Erlös aus den Bindenverkäufen geht zu 100 % nach Ghana zurück.

Unser Kooperationspartner NAAF übernimmt dann die Aufgabe, von diesem Geld vor Ort Einweg- Monatsbinden zu erwerben und diese an die Mädchen und Frauen in den Schulen, die der Bunte Bund unterstützt, im Rahmen seiner Aufklärungsarbeit regelmäßig zu verteilen – solange, bis wir für jede Schule eine eigene “Periodenstation” etablieren können, durch die eine regelmäßige, ununterbrochene Versorgung mit Hygieneprodukten gewährleistet wird.